Ophrys Portraits | Hildegard Könighofer 

Buchpräsentation:  Ophrys Portraits | Hildegard Könighofer

MI 07.10.2026 | 18:00Uhr

& Originalillustrationen
& audiovisual interpretation „ophrys“ von Jani W. Schwob

Peter Peer, Neue Galerie Graz
Seit den frühen 1980er Jahren widmet sich Hildegard Könighofer der Darstellung von Pflanzen, Insekten und Mineralien. Mit der Serie der Ragwurz-Arten (Gattung Ophrys aus der Familie der Orchideen), die mittlerweile 270 Blätter umfasst, begann die Künstlerin im Jahr 2006. In der Präsentation folgt die Künstlerin einem konsequenten Modus. Die farbig gestalteten Blüten sind „en face“ und vergrößert dargestellt, wobei die Dimensionen der Blüten aller Werke aufeinander abgestimmt sind. Der Ansatz ist zugleich typisch für die Arbeitsweise der Künstlerin und geradezu als konzeptuell im künstlerischen Sinn zu nennen, entstand hier doch auch ein Ort-Zeit-Diagramm, welches das nunmehr 20 Jahre währende Ophrys-Projekt der Künstlerin fast tagebuchartig nachvollziehbar macht. Darüberhinaus hat man es hier mit faszinierenden Bildern zu tun, deren jedes einzelne als Kleinod zu betrachten ist. Die präzise Malweise geht in die Details und befriedigt nicht nur naturkundliches Interesse, sondern stimuliert auch Schaulust des Betrachters. Nicht umsonst genießt Hildegard Könighofer mit ihren Naturdarstellungen in der Sphäre der Kunst wie jener der Wissenschaft hohe Anerkennung, insofern ihre Arbeiten eine vollendete Symbiose von Wissen und Schönheit bilden.

Die Anatomie der Ophrys | Wenzel Mraček
Kunsthistoriker, Kulturpublizist in Graz
[…] Während Gesprächen zur Vorbereitung ihres 2010 erschienenen Bildbandes Mineralienbilder von / The Mineral Art of / Hildegard Könighofer erzählte die Künstlerin, das Sammeln von Mineralien und die darüber hinausführende mineralogische wie bildnerische Auseinandersetzung begannen im Jahr 1978. „Stufen“ und „Handstücke“ aus Hüttenberg in Kärnten waren in den folgenden Jahren Anlass zum Wissensaustausch mit Sammlern und Mineralogen und damit einher ging auch die Entwicklung Könighofers Technik der grafisch malerischen Abbildung. Entscheidendes Moment in der Anlage der Blätter von Mineralien – im Unterschied zur Vorgangsweise der infolge behandelten Bilder von Pflanzen – ist, dass das Bild realer Objekte im Maßstabe 1:1, und freilich in bestimmtem Licht (Tageslicht), ohne Zuhilfenahme von Fotografien, auf das Blatt übertragen werden kann. Kurz, der zeitaufwändige Abbildungsprozess (bis zu 120 Stunden je Blatt) erfolgt gegenüber dem realen Objekt, während Pflanzen in solcher Zeit verfallen würden, was die fotografische Abbildung erfordert.  
Seit den frühen 1980er Jahren malt die ausgebildete Grafikerin aber auch Insekten und Pflanzen, zusehends nach wissenschaftlich zu nennender Methodik. Die zeichnerisch und malerisch angelegten Bilder von im Handel erstandenen Orchideen etwa wurden über Jahre mit Anmerkungen zu Blühdaten, Pflegemaßnahmen und fallweise auch dem Grund des Absterbens der Pflanze versehen. Vergleichbar einem Tagebuch entstand so eine Mappe im Umfang von 90 Blättern.
Ab 2005 legte Hildegard Könighofer ein Konvolut von Strichzeichnungen zur Flora von Istrien an. Ebenfalls mit Vermerken versehen, zeichnete sie die hier gefundenen Arten der Gattungen Schafgarbe (Achillea), Osterluzei (Aristolochia), Haselwurz (Asarum), Tausendguldenkraut (Centaurium) und Wiesenraute (Thalictrum).
Mit 2005 begann auch die Feldforschung bedingende, analytische Arbeit an vorerst istrischen Ragwurz-Arten (Ophrys), einer Pflanzen-gattung in der Familie der Orchideen. Der Anlass für diese erste Forschungsreise, erzählt Könighofer, war die Ungewissheit bei der Bestimmung der Ophrys-Arten. So wurden schon ab den ersten, seit 2006 angelegten Bildern die vermuteten Arten mit Bleistift auf dem Blatt vermerkt, da sich das Wissen um Namen ständig verändert. Manche Arten wurden dann später neu beschrieben oder umbenannt. 
So akribisch die Bezeichnungen der ins Bild übertragenen Orchideen in der Folge jeweils auch ausgeführt sind, bestehen in manchen Fällen noch immer Unsicherheiten in der Bestimmung aufgrund unterschiedlicher Auslegungen botanischer Klassifizierung, die in den einzelnen Darstellungen auch angemerkt sind.
Ähnlich wie schon bei den Bildern von Mineralien sind die Ophrys-Portraits in Mischtechnik aus Blei-, Farbstift, Tusche und Aquarellmalerei auf Papier angelegt. Aufgrund des pflanzlichen Verfallsprozesses wurde hier aber nicht wie bei den Mineralien gegenüber dem wirklichen Objekt gearbeitet, sondern nach gleichermaßen penibel archivierten und benannten Fotografien. Diese wiederum wurden hinsichtlich deutlicher Kontraste bei jeweils adäquaten Lichtsituationen – immer leicht bedeckter Himmel – aufgenommen. Aufgrund ihrer Dimensionen sind die Ophrys-Blüten in ihren Details mit freiem Auge kaum wahrzunehmen, und die Fotografie wird quasi als Lupe gebraucht. Den – entsprechend den Fotografien – vergrößerten malerisch zeichnerischen Abbildungen der Blüten ist auf jedem Blatt das Bild derselben Pflanze in originaler Dimension beigestellt.
Auf die Frage, ob ihre Arbeiten nun Kunstwerke sind oder handwerklich wissenschaftliche Dokumentation lässt sich Hildegard Könighofer eigentlich nicht ein. Entsprechend der Rezeption im spezifischen Kontext – etwa in der Grazer Neuen Galerie unter „Analytische Schönheit. Blumenbilder aus 200 Jahren“ (2026) oder im Naturkundemuseum des Joanneums (2014/15) – sind sowohl naturwissenschaftlich ana-lytische wie künstlerische Ansprüche und Interpretationen angebracht. In Assoziation zu Geschichte und Darstellungsweisen anatomischer Schautafeln menschlicher Körper allerdings könnte man im Fall Könighofers Ophrys-Portraits wohl auch an die Anatomie der Ophrys denken.

 

Hildegard KÖNIGHOFER

geboren 1954 und aufgewachsen in Rettenegg, Steiermark, AT
Ausbildung: Höhere Grafische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Wien
lebt und arbeitet in Graz, Steiermark, AT 
Grafikdesignerin, Illustratorin (Botanik, Mineralogie), Künstlerin, Autorin 
Herausgeberin/Mitherausgeberin (Zeitschriften, Fachbücher, Kunstzeitung) 
Ateliergemeinschaften mit Dietmar Jakely und Karl Ulbl 
Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Veröffentlichungen im In- und Ausland

 

Dietmar JAKELY

geboren 1954 in Villach, aufgewachsen in Seltschach bei Arnoldstein, Kärnten, AT
Ausbildung: Kunstgewerbeschule Graz (Abteilung Gebrauchsgrafik)
lebt und arbeitet in Graz, Steiermark, AT
Grafikdesigner, Künstler, Fotograf, Archivar, Autor,
Herausgeber/Mitherausgeber (Zeitschriften, Fachbücher, Kunstzeitung)
Ateliergemeinschaften mit Hildegard Könighofer, Karl Ulbl und Nik Thoenen
Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen, Interventionen, Performance
Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst 1986
 

 

 
 
 
  • Oktober 7, 2026
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