#150

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100 Jahre Frauenwahlrecht  |  50 Jahre 68er Bewegung
mit Iris Andraschek, maschen (Julia Rosenberger, Korinna Lindinger),
Andrea Schlemmer,
Sekretariat für Geister, Archivpolitiken und Lücken 
Die Ausstellung erforscht die Auswirkung von historischen Ereignissen, die den Menschen zunehmend aktives Mitbestimmungsrecht an der Gesellschaft ermöglicht haben. Welche Konsequenzen zeigen sie noch heute im Kontext sozialer und gesellschaftspolitischer Prozesse?
Was passiert nun nach 100 bzw. 50 Jahren - welche Ereignisse prägen das bedeutsame Jubiläumsjahr 2018?

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 25.10.2018 um 18:30 Uhr
Ausstellungsdauer: 26.10.-08.11.2018

Konzertabend im Rahmen der Ausstellung mit Mala Herba: Dienstag, 06.11.2018 um 18:30 Uhr


Seit 1848, ab Beendigung der absoluten Herrschaft durch den Kaiser, darf man in Österreich wählen (mit Ausnahme der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945, in der bundesweite Wahlen abgeschafft wurden). Dieses Mitspracherecht an der Gesellschaftspolitik galt allerdings nicht für alle – Frauen, Arbeiter, sog. „Dienstleute“ und Personen, die vom Staat abhängig waren, wurden von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen. Ab 1907 gab es dann nach schrittweisen kleineren Lockerungen schließlich das allgemeine Wahlrecht für Männer, politische Mitbestimmung blieb Frauen in Österreich immer noch verwehrt. Es dauerte noch elf weitere Jahre bis ab 1918 dann auch Frauen ihre Stimme abgeben durften.

Etwa ein halbes Jahrhundert nach der Errungenschaft des Wahlrechts für Frauen in Österreich und, mit kurzen zeitlichen Verschiebungen, auch in anderen Ländern, gingen weltweit Menschen auf die Straße um für eine bessere Welt zu kämpfen: Die 68er-Bewegung bezeichnete eine Reihe zivilgesellschaftlicher Proteste von internationaler Bedeutung. Gesellschaftliche Mechanismen von Beherrschung und Unterdrückung sollten aufgedeckt werden, Mündigkeit und Mitbestimmung aller Bürger*innen wurde gefordert. Frauenbewegungen bekamen neuen Wind und kämpften ihrerseits um die Gleichstellung der Geschlechter. Die Sehnsucht, nach einer Welt, in der alle in friedlicher Gemeinschaft leben, wurde laut. Nach der 68er-Bewegung hat man heute – wiederum 50 Jahre später – das Ziel vor Augen ALLE Menschen in einer gleichberechtigten Gesellschaft zu sehen (Männer, Frauen, Homosexuelle, Transgender usw.).

Welche Konsequenzen zeigen sie noch heute im Kontext sozialer und gesellschaftspolitischer Prozesse? Es ist eine Frage, die immer wieder neu von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Theoretiker*innen verhandelt wurde und wird. Eben diese permanente Neu-Betrachtung ist dabei eminent: Nur durch eine sich immer wiederholende Beschäftigung bleibt das Thema der emanzipatorischen Selbstbestimmung im Kontext eines gesellschaftlichen Diskurses aktuell. Wie bei vielen gesellschaftspolitischen Fragestellungen, die innerhalb der Kunst reflektiert werden, stellt sich auch hier die Frage nach den künstlerischen Strategien. Vier künstlerische Positionen nähern sich innerhalb der Ausstellung „#150 – 100 Jahre Frauenwahlrecht, 50 Jahre 68er Bewegung“ mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden an das Thema der Gleichstellung an. Die Ausstellung soll einen zeitaktuellen Überblick aus verschiedenen Perspektiven geben, um so effektiv den Diskurs voran zu treiben. 100 Jahre Frauenwahlrecht, 50 Jahre 68er-Bewegung – was ist der nächste Schritt? 

 

KÜNSTLERINNEN:
Iris Andraschek

Die Fotoserie „Where to draw the line“ beschäftigt sich mit Grenzsetzung und Grenzüberschreitung– wer bestimmt Regeln des Zusammenlebens? Für wen gelten diese? Inwieweit spielt die Selbstbestimmung des Individuums dabei eine Rolle?
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Sekretariat für Geister, Archivpolitiken und Lücken

Nina Hoechtl und Julia Wieger setzen sich als Sekretariat für Geister, Archivpolitiken und Lücken mit künstlerischen Mitteln mit Geschichtsschreibung auseinander. Dabei binden sie vor allem dekolonialisierende und feministische Perspektiven ein. Angefangen hat alles mit ihrer Tätigkeit in der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) und der kritischen Auseinandersetzung der 100jährigen Geschichte der VBKÖ. In der Ausstellung sind Plakate zur Frauenstimmrechtskonferenz in Wien 1913 (aus dem Archiv der VBKÖ) sowie zur ersten feministischen Konferenz in Yucatán 1916 (aus dem Fototeca Pedro Guerra und dem Archivo General del Estado de Yucatán) zu sehen.
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maschen (Julia Rosenberger & Korinna Lindinger)

Die Arbeit von Korinna Lindinger und Julia Rosenberger schmilzt traditionelle Geschlechterrollen, die seit langem hartnäckig in unserer Gesellschaft verankert sind, förmlich ein. Repräsentative Figuren von Mägden bis Offizieren werden dekonstruiert und geben so eine Perspektive für Neues.

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Andrea Schlemmer
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